Zusammenfassung der Folge

"Ich habe von Lehrkraftseite oft zu hören bekommen: "Was soll nur aus dir werden? Du kannst zwar tolle Sache schreiben, aber dafür bezahlt einen ja keiner." (lacht)

Nora Imlau, dreifache Spiegel-Bestseller-Autorin und erfolgreiche Journalistin, spricht im YAY-Podcast über Ehrgeiz, Mobbing und den Kampf für ihre Träume in einer Gesellschaft, in der naturwissenschaftliche Berufe höher angesehen sind als geisteswissenschaftliche.

Es gibt viele Interviews mit Nora, in denen sie ihre Bücher vorstellt und im Zusammenhang damit über Möglichkeiten spricht, ein bindungsorientiertes Familienleben zu gestalten. Ich spreche mit ihr natürlich auch über ihre Neuerscheinung "Mein Famlienkompass - Was brauch ich und was brauchst du?".

In diesem Gespräch lernst du die Pionierin des "Attachement Parentings" (so der englische Fachbegriff für bindungsorientierte Elternschaft) aber darüber hinaus von einer ganz anderen Seite kennen.

Nora wuchs in einem reformpädagogischen Landheim in Süddeutschland mit der Botschaft auf: "Du bist gut, wie du bist. Es liegt kein Mehrwert darin, so zu sein wie andere. Sei individuell!"

Was für eine tolle Botschaft, oder?

Oder entsteht dadurch auch viel Druck, etwas Besonderes zu schaffen? Nora verrät es im Interview - und auch, welche Botschaften sie ihren Kindern heute mit gibt.

Spätestens auf dem Gymnasium kam es bei vielen Mitschülern ihrer Klasse nicht mehr gut an, dass Nora ein offensichtlich wissbegieriges Kind war, dass gerne mündlich im Unterricht diskutierte und für bestimmte Themen "brannte", wie sie selbst sagt. Eine desinteressierte Haltung war stattdessen das, was für viele in ihrem Alter als cool galt. Gute Noten, okay, aber bloß nicht zeigen, was man zu Hause dafür alles tut, oder?

Nora und ich sprechen darüber, wie sie sich auf der Schule gefühlt hat. Wir sprechen über Mobbing.

Wir sprechen auch über die Dissonanz zwischen der Wertschätzung von Geistes- und Naturwissenschaften in unserer Gesellschaft. Als literarisch begabte Schülerin, die für den Deutsch-Leistungskurs eine andere Schule besuchen musste, weil es auf ihrem klassisch-naturwissenschaftlich Gymnasium nicht die Möglichkeit dazu gab, hat Nora dazu viel zu sagen. Ich hoffe, sie schreibt eines Tages ein Buch darüber.

Wie funktioniert Marketing als Autorin und Journalistin eigentlich n 2021? Gibt es noch ausreichend Unterstützung durch den Verlag?

All das verrät Nora uns im YAY-Podcast.

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Verfasst von: Imme

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Transkript (erste 10 Min.)

[00:01:02.630] - Imme

Nora, du bist 37, Mama von vier Kindern im Alter zwischen anderthalb und vierzehn Jahren, bist geborene Freiburgerin und ein bisschen in der Welt herumgekommen. Du hast in Marburg und Kanada Anglistik, deutsche Sprache und Literatur studiert, hast mit deiner Familie auch schon in London gelebt, dann viele Jahre in Leipzig, und bist jetzt in den Schwarzwald gezogen. Du arbeitest als Journalistin, Speakerin und bist Autorin von zahlreichen Sachbüchern, Ratgebern rund um die Themen bindungsorientierte Elternschaft. Deine letzten drei Bücher haben es auf die Spiegel-Bestsellerliste geschafft. Im Sommer 2020 erschien "Mein Familienkompass" mitten im Corona-Sommer und seitdem wird dein Buch sehr viel diskutiert.

Darüber möchte ich gleich als Erstes mit dir sprechen. Außerdem würde ich gerne mit dir über Ehrgeiz sprechen, denn ich habe gelesen, dass es ein Thema ist, das dich seit langem begleitet. Es ist auch für mich ein Thema, was ich sehr spannend finde. Und ich würde gerne mit dir über Marketing als Autorin und Journalistin sprechen, denn Branding ist ein ganz großes Thema unserer Zeit. Gerade in einer Zeit, wo auch viele im Selbstverlag arbeiten, sich selbstständig machen und die sozialen Medien ganz anders nutzen, als es noch vor fünf Jahren der Fall war.

Das sind die Themen, die ich mit dir besprechen würde. Jetzt erst einmal herzlich willkommen im Podcast von YAY, liebe Nora!

 

[00:02:27.740] - Nora

Hallo, das war ja eine tolle Vorstellung. Vielen Dank für die Einladung.

 

[00:02:32.630] - Imme

Sag mir doch mal als erstes, wie es dir an diesem Morgen geht. Ich frage das, weil ich manchmal ganz beeindruckt davon bin, was man so leistet als Eltern, bevor man eigentlich morgens am Schreibtisch sitzt.

 

[00:02:49.550] - Nora

Mir geht's ganz gut. Ich war heute Nacht ungefähr fünf bis acht Mal wach, bis dann alle Kinder wieder versorgt waren und hatten, was sie brauchten. Heute morgen war ich ganz stolz, dass auf meinem Zettel stand: „Am Donnerstag Trauben mitbringen in den Kindergarten“. Dann hab ich Trauben abgegeben und die Erzieherin nahm sie entgegen und sagte: „Ja, wäre letzten Donnerstag gewesen.

 Also da habe ich schon ein bisschen meine Erlebnisse gehabt. Aber ja, alle Kinder sind jetzt gut versorgt. Die beiden Kleinen sind im Kindergarten, die beiden Großen sitzen in ihren jeweiligen Zimmern vor den Rechnern und haben online Schule.

 

Imme

Es ist ja für alle eine Herausforderung. Vor allen Dingen habt ihr wirklich alle Altersstufen. Manchmal bin ich ganz dankbar, dass wir nur Kleinkinder haben, weil wir zumindest diesen Homeschooling-Aufwand noch nicht machen müssen. Andere haben dafür keine Kleinkinder - ihr habt alles.

 

[00:03:48.760] - Nora

Ja, ja, das stimmt ja. Aber wir haben auch das Beste aus allen Welten. Das ist auch schön. Also manchmal ist es ja so, wenn man mit Eltern von Teenies spricht, die sagen, „ach, ich vermisse die Kleinkindzeit oder von Eltern mit Kleinkindern, die sagen: „Ich würde mir manchmal wünschen, ein größeres Kind zu haben, mit dem man sich auch schon ein bisschen mehr unterhalten kann“, oder so. Das haben wir ja alles. Und gleichzeitig haben wir natürlich auch viel, also auch alle Herausforderungen der verschiedenen Altersstufen.

 

[00:04:13.130] - Imme

Es kommt immer alles zusammen, die Herausforderung und das daraus folgende Glück. Schön!

Ich habe es gerade schon angesprochen. Dein letztes Buch hat es auf die SPIEGEL-Bestsellerliste geschafft. Es heißt „Der Familienkompass“ und erschien mitten im Corona-Sommer. Ich weiß nicht, ob du das so beabsichtigt hattest, aber tatsächlich trifft es ja wirklich einen Nerv unserer Zeit, kann man sagen. Denn du zeigst den Eltern darin, wie sie ein bindungsorientiertes Zusammenleben mit ihren Kindern umsetzen können.

 Aber tatsächlich geht es nicht nur darum, wie man auf die Bedürfnisse der Kinder achtet, sondern eben ganz klar auch um die eigenen Bedürfnisse als Mutter und Vater. Hast du jetzt, circa ein Dreivierteljahr, nachdem das Buch erschienen ist, das Gefühl, dieses Buch erschien wirklich genau zum richtigen Zeitpunkt oder denkst du jetzt im Nachhinein auch, dass viele Eltern sich vielleicht davon provoziert fühlen, weil sie jetzt ferner von ihren Idealen sind, denn je? Mit Homeschooling, Lockdowns und mangelndem Rückzugsraum?

 

[00:05:15.810] - Nora

Nein, ich glaube tatsächlich, dass das Buch zu einem guten Zeitpunkt erschien, auch wenn beim Schreiben von Corona eigentlich noch gar nichts für mich zu wissen war. Es war sozusagen erst in den letzten Zügen, als ich schon fast fertig war mit dem Buch, kurz vor Abgabeschluss, als Corona überhaupt aufkam, und ich habe das Buch dann auch nochmal ein bisschen überarbeitet. Aber die Grundidee dieses Buches ist ja eine ganz universale.

Es geht hier einfach darum, dass wir heute eine Elterngeneration sind, die andere Werte hat im familiären Alltag als andere Generationen hatten. Für viele Eltern-Generation war das primäre Ziel, gehorsame Kinder hervorzubringen, die nicht anecken und die Leistung bringen und die nicht aufmucken. Ja, und da haben wir heute ein ganz anderes Ziel, ein ganz anderes Bild vor Augen. Wir wollen unseren Kindern auf Augenhöhe begegnen, wir wollen eine Beziehung mit ihnen pflegen. Wir wünschen uns, dass unsere Kinder, auch wenn sie erwachsen sind, gerne noch mit uns Kontakt haben wollen.

Und zwar nicht aus Pflichtgefühl, sondern weil sie uns wirklich mögen. Und dafür brauchen wir natürlich aber auch ein anderes Familienleben, das diese Werte pflegt. Und das war so meine mein Gedanke, warum ich dieses Buch schreiben wollte. Und ich wollte Eltern eine Hilfestellung geben, ihr eigenes Wertesystem kennenzulernen und zu schauen: Wie können wir unser Familienleben so gestalten, dass es uns allen miteinander gut geht, dass wir gerne miteinander Zeit verbringen? Im Nachhinein denke ich, zu welchem Zeitpunkt war diese Frage wichtiger als jetzt, wo wir so unglaublich viel Zeit miteinander verbringen und so sehr aufeinander hängen?

[00:06:49.360]

Familien sind im Moment sehr auf sich gestellt und ein Großteil meines Familienkompasses macht ja auch dieser Gedanke aus es „Gut genug Seins“, des Abschieds vom Perfektionismus. Diese Idee zu sagen: Gute Familienkultur muss nicht bedeuten, dass jedes Bedürfnis immer bis ins Detail erfüllt wird, sondern dass wir eine Haltung leben, wo wir sagen, Du und deine Bedürfnisse sind uns grundsätzlich wichtig und wir wollen versuchen, so gut es eben geht, Bedürfnisse unserer Familie ernst zu nehmen und zu erfüllen.

Und gleichzeitig ist es völlig normal und menschlich, dass das nicht immer geht, dass es auch manchmal Konflikte gibt und dass auch unsere Bedürfnisse als Eltern manchmal den Bedürfnissen unserer Kinder Vorrang eingeräumt wird, weil wir einfach auch schauen müssen, wo wir bleiben. Und das ist okay. Und insofern denke ich, es kann kaum eine wichtigere Botschaft geben als gerade in dieser Zeit, als Eltern zuzurufen: Es geht um eine gesunde Balance der Bedürfnisse. Ihr müsst nicht perfekt sein und gut genug sein heißt eben auch, sich von vielen hohen Idealen zu verabschieden und wirklich damit zu leben, dass wir uns manchmal auf die absoluten Basics konzentrieren müssen.

 Und ich schreibe da in meinem Buch darüber, dass wir manchmal unsere ellenlangen To do-Listen gedanklich wirklich abschneiden müssen mit einer großen Schere. Und übrig bleibt dieser Satz: Entscheidend ist, wie wir miteinander umgehen und alles andere ist egal. Wir können fünfmal die Woche Pizza auf backen. Wir können Fertigessen essen. Wir können an so vielen Stellen Abstriche machen, aber wir sollten nicht Abstriche dabei machen, grundsätzlich mit einer liebevollen, wertschätzenden, zugewandten Haltung miteinander umzugehen.

Das ist es, was den Kern von dem liebevollen Familienleben eben ausmacht und das, was auch trägt und bleibt, wenn diese Kuroda Zeit lange hinter uns liegt.

 

[00:08:34.700] - Imme

Ja, das denke ich auch. Das ist genau das, was auch den Kindern dieses Urvertrauen vermittelt, ihnen Selbstbewusstsein gibt und natürlich, wie du sagst, immer die Lust, auch später noch mit den Eltern zu kommunizieren und auch Familie einfach als etwas Positives und stärkend zu begreifen.

 

[00:08:49.000] - Nora

Und wie gesagt, es geht mir da nicht darum zu sagen: Niemand darf jemals laut werden oder genervt sein. Es geht nicht um dieses oberflächlich Liebevolle: Alle müssen immer säuseln; man muss immer für alles Verständnis haben. Es gibt so viele Missverständnisse in diesem Bereich, dass Eltern das Gefühl haben, ich muss so eine engelsgleiche Person sein, um bindungsorientiert mit meinen Kindern zu leben. Darum geht es überhaupt nicht. Vielleicht um das Gegenteil. Ja oder nein. Mit allen Ecken und Kanten.

Wir dürfen auch authentisch sein. Aber. Aber das Grundgefühl unserer Kinder sollte sein, dass sie bedingungslos geliebt werden. Dass sie sicher bei uns sind. Dass sie sich uns anvertrauen können mit ihren Fehlern und Schwächen. Und das können sie nur, wenn wir uns auch zeigen mit unseren Fehlern und Schwächen und nicht immer versuchen, makellos zu sein.

[00:09:33.110] - Imme

Ja, absolut. Was würdest du den Eltern raten, die noch sehr kleine Kinder haben? Wie wir zum Beispiel. Unsere Kinder sind 2 und 4 und ich finde, viel von dem bindungsorientierten Ansatz zielt auf eine verbale Kommunikation. Natürlich nicht nur, aber vieles wird ja auch einfacher, wenn man etwas besprechen kann. Aber was ist, wenn der Zweijährige sagt, ich will den Pullover morgens nicht anziehen?

Man bietet ihm 5 verschiedene an oder auch alle, und er sagt Nein. Was dann

(Hör dir den Podcast an für mehr)